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Špindlerův Mlýn - Snĕžka - Špindlerův Mlýn | ≈10Km | 20.04Km Schnitt | 0:33Std | 49,5Km/h Spitze

bisherige Etappen:
Etappe 7 Etappe 3
Etappe 6 Etappe 2
Etappe 5 Etappe 1
Etappe 4

...Vier junge Burschen, die sich mit minimalstem Gepäck (...) auf die Reise machten, um zwei sportliche und nichts desto trotz glückliche Wochen zu verbringen...
Für Außenstehende mag das sicherlich komisch ausgesehen haben, wie an einem frühen Morgen 3 Jungs relativ zeitgleich aus ihren Zelten kommen, in redliche Betriebsamkeit verfallen und nach kurzem Chaos, zusammen vor dem Eingang des einen Zeltes stehen bleiben und anfangen dem Vierten (noch im Zelt) ein Liedchen zu trällern.
Wenn auch nicht jeden Ton treffend, so sangen wir doch Graffi ein kleines Geburtstagsständchen und beglückten ihn ebenso mit einem kleinen Kuchen. Denn Geburtstag hat man nicht aller Tage und schon gar nicht im Urlaub.
Und obwohl, oder gerade deswegen, Graffi Geburtstag hatte, ließen wir uns nicht davon abbringen, heute den Snĕžka in Angriff zu nehmen.

Den ersten Teilweg fuhren wir wieder mit dem Rad. Und wie erwartet, ging es nur Bergauf. Von der Steigung war es sicher kein schwerer Anstieg, aber was einen immer wieder an die Grenze seiner Möglichkeiten bringt ist die Tatsache, dass man sich kaum eine Pause gönnen kann. Aber natürlich stiegen wir auch kurz von den Rädern um Pause zu machen und trafen dabei zum Beispiel eine kleine Rentnergruppe, die doch sehr erstaunt darüber war, als wir ihnen erzälten, dass wir von Dresden aus hierher gefahren sind.
Aber wie das immer so ist mit den Pausen, sie gehen irgendwann zu ende und so stiegen wir wieder auf unsere Räder, um kurze Zeit später an einer Baude anzukommen, wo sich der Weg verzweigte.

An der Baude mussten wir die Räder abstellen, denn das was da an Weg folgte, war ganz sicher nicht mehr für Räder geeignet, worauf auch ein entsprechendes Schild hinwies. Und so begann ein sehr steiniger "Aufstieg".
Unterwegs trafen wir immer wieder auf Wanderer, die von oben kamen und uns eine sehr schöne Sicht zu bescheinigen versuchten (da mein Tschechisch etwas eingerostet ist, interpretiere ich sie einfach mal so ). Und so wanderten wir durch das Tal, merkten wie wir langsam überhalb der Baumgrenze kamen und dann war vor uns auf 1400m dieses riesige Plateau. Auf Informationstafeln war zu lesen, dass man dort oben Wetterverhältnisse wie in der Tundra hat, was wir angesichts der Kühle nur bestätigen konnten.

Der Weg durch dieses Plateau führte uns größtenteils über ein Holzweg und je weiter wir gingen desto kühler wurde es. Man muss auch dazu sagen, dass wir uns nicht das beste Wetter ausgesucht hatten (behalten wir uns die Illusion, dass wir je eine Wahl hatten). Aber das Wichtigste: der Snĕžka kam immer näher. Inzwischen befanden wir uns auch auf der polnischen Seite (OK, rechts neben dem Weg wären wir wieder in Tschechien gewesen). Und dann standen wir direkt am Fuß dieses Berges, der das Ziel unseres Urlaubes war. Hinauf führten zwei Wege: ein scheinbar schwerer und ein etwas leichterer. Wir nahmen natürlich den Schweren.
Unser Geburtstagskind und Leistungssportler Graffi "stürmte" vor während wir anderen ihm in einem doch recht zügigen Tempo folgten. Der Weg den wir genommen hatten ging steil den Berg hinauf und war überfüllt mit Touristen, Wanderern und Einheimischen, so dass das Ganze von unten wie eine Pilgerwanderung ausgesehen haben muss. Umso mehr erstaunte mich, dass sich ebenfalls viele Familien mit kleinen Kindern für diesen Weg entschieden. Wenn man bedenkt, dass selbst wir zwei Pausen einlegen mussten, so muss das für die Kleinen ziemlich grausam gewesen sein.
Doch letztendlich waren wir oben und sahen...nichts! Der Snĕžka war inmitten einer Wolkendecke die nur ab und an mal aufbrach. Trotz dessen: wir waren da, wir hatten unser Ziel erreicht. Wir versuchten (in Graffis und meinem Fall jedoch erfolglos) unsere Eltern zu erreichen um ihnen von unserer "Heldentat" zu berichten. Und nach ca. einer halben Stunde und warmen Tee im Magen hieß es auch schon wieder Abschied nehmen.

Für den Rückweg nahmen wir den leichten Weg und das hatte zumindest in meinem Fall einen sehr einfachen Grund: ich hatte nämlich die Tour mit meinen Radschuhen bestritten, an denen immer noch das Einrastsystem für die Pedale montiert war. Bergauf machte dies keine Probleme, aber bergab sollte es mir den einen oder anderen Rutscher und damit auch jeweils eine kleine Schrecksekunde gönnen. Dadurch erklärt sich auch, warum ich mir etwas länger Zeit für den Weg nach unten nahm. Wir bildeten also Zweiergruppen, so dass jeder sein annähernd sein eigenes Tempo gehen konnte. Und was kann man noch so über den Weg sonst sagen. Kaum noch was, denn immerhin war es der gleiche, den wir auch gekommen sind. Ausser das er uns ewig lange vorkam.

Es war inzwischen spät geworden als wir letztendlich alle an der Baude waren, an der wir unsere Räder angeschlossen hatten. Graffi war schon unterwegs nach Špindlerův Mlýn, da er noch einmal einkaufen gehen wollten. Nach einer kleinen Stärkung in Form einer Bratwurst machten wir drei uns letztendlich auch los. Meine Mitstreiter fuhren etwas langsamer, um hier und da noch Fotos zu schießen wärend ich zum ersten Mal in diesem Urlaub die Bergabfahrt genoss, da ich diesmal ohne dem wackligen Gepäck unterwegs war.
Später beim Essen wurde uns dann ein anderes Problem bewusst: wir hatten zwar die Tour bis zum Snĕžka geplant, aber über den Rückweg hatten wir noch keinen einzigen Gedanken verschwendet. Höchste Zeit dies nachzuholen. Die einzig wirkliche Zielstellung dabei war allerdings, dass große Anstiege vermieden werden sollten, da sie uns doch zuviel Kraft raubten. Und so entschlossen wir uns, unterhalb von Liberec entlang zu fahren.

cya
MWi

Bilder:
Bild 1: Aufstieg zum Snĕžka, kurz nachdem wir die Räder abschließen mussten
Bild 2: Kurz vor dem Hochplateau
Bild 3: das Hochplateau vor dem Snĕžka
Bild 4: Gebäude auf dem Snĕžka
Bild 5: Rückweg
Bild 6: Labezufluss

Tags: Snĕžka, Radtour | Kategorie:
Vrchlabí - Špindlerův Mlýn | 17Km | ≈16Km/h Schnitt | 1:15Std | 50,2Km/h Spitze

bisherige Etappen:
Etappe 6 Etappe 2
Etappe 5 Etappe 1
Etappe 4
Etappe 3

Der nächste morgen begann früh. Sehr früh. Eigentlich zu früh!
Über den Zeltplatz zogen mehrere Gewitterfronten (ca. 4) die uns mit entsprechender Licht- und Geräuschkulisse gegen 5 Uhr aus den Betten holten. Ganz ehrlich: es gab Orte, an denen ich mich bei Gewitter schon wohler gefühlt habe.
Für mich gestaltete sich die Situation so: Blitz -> ich fang an zu zählen (1...2...3...4..) -> kräftiger Donner => "nicht gut!!!"

Irgendwann gegen 9.30 Uhr sind wir dann endgültig aufgestanden. Die Gewitter waren inzwischen lang vorrübergezogen, aber der Regen blieb. Es waren also alle Bedingungen erfüllt für unsere erste echte Regenetappe (bis dahin hatten wir so gutes Wetter gehabt, dass drei von uns (ich auch ) schon einen Sonnenbrand weg hatten).

Die Fahrt selbst gestaltete sich ziemlich ereignisslos. Wir fuhren im Regen und bei gemütlichem Tempo immer die Labe (das was später mal zur Elbe wird) hoch, schwiegen uns an und genossen den Regen, oder so.
Am Zeltplatz angekommen war uns allen klar, dass wir uns nicht mehr allzu weit weg bewegen würden. Die beiden letzten Tage steckten uns einfach zu schwer in den Knochen. Ausser Graffi! Er verabschiedete sich, kurz nachdem wir die Zelte aufgebaut hatten, von uns, da er in Richtung Elbquelle in die Berge fahren wollte. Er schien also den gestrigen Tag doch sehr gut verkraftet zu haben.

Der Rest von uns packte sich wieder in die Zelte und schlief bis kurz vor Ladenschluss (wir wollten noch einkaufen und habens dann auch einfach getan).
Nachdem Graffi wiederkam (er hatte sein Etappenziel leider verfehlt) diskutierten wir noch über die nächste Route hinauf zum Snĕžka. Immerhin galt es nochmals rund 700 Höhenmeter zurückzulegen.
Kurzentschlossen nahmen Graffi und ich nochmal das Rad und fuhren das erste Teilstück der Route ab, die wir uns ausgesucht hatten, um zu schauen, ob wir dort tatsächlich mit den Rädern entlang kommen. Und wir sahen, dass es gut war . Und damit waren alle Grundlagen für den nächsten Tag gelegt. Musste nur noch das Wetter wieder besser werden...

cya
MWi

Bilder:
Bild1: Ankunft auf dem Zeltplatz von Špindlerův Mlýn
Bild2: auf dem Weg zur Elbquelle
Bild3: ein erster Blick auf den Snĕžka

Tags: Tschechien, Schneekoppe | Kategorie:
bisherige Etappen:
Etappe 5 Etappe 1
Etappe 4
Etappe 3
Etappe 2

Liberec - Vrchlabí | ≈80Km | 21,25Km/h Schnitt | 3:58Std | 60,2Km/h Spitze

...Vier junge Burschen, die sich mit minimalstem Gepäck (...) auf die Reise machten, um zwei sportliche und nichts desto trotz glückliche Wochen zu verbringen...
Der nächste morgen begann ziemlich zäh. Und ein Blick nach links, vom Zeltplatz aus, sagte uns auch sofort warum: dort trohnte der immer noch übermächtig erscheinende Ještĕd, der uns gestern sehr viele unserer Kraftreserven raubte. Andererseits war klar, dass diese Etappe nicht viel einfacher werden würde. Immerhin wollten wir zum ersten mal in unserer Tour direkt ins Riesengebirge fahren. Trotz aller bisherigen Strapazen gaben wir die ursprüngliche Reiseroute nicht auf und so sollte es uns an diesem Tag von Liberec über Jablonec nad Nisou und Tanvald in Richtung Špindlerův Mlýn führen.
Und schon in Liberec begann es wieder, diese ständige sich abwechselnde auf und ab. Ich hab zwar keine Ahnung, wie es den anderen dabei ging, aber bei mir war es zumindest so, dass ein Anstieg kein Problem für mich war, aber mir schon am darauffolgenden die Puste fehlte. Was für ein Glück, dass Graffi sich ein wenig, noch von früher, in Jablonec nad Nisou auskannte. Und so machten wir dort an einem wunderschönen Stausee (wenn man mal von den gleich dahinterliegenden Plattenbauten abgesehen hatte) Pause und konnten uns wunderbar erholen und erfrischen.

Von Jablonec n.N. aus ging es weiter nach Tanvald. Wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe, so waren wieder zwei oder drei kleinere Anstiege zu fahren, die uns immer wieder auseinanderrissen. Nur eines weiss ich: am Orteingang von Tanvald gings bergab, bis wir zu einem Kreisverkehr kamen. Und ab dann ging es wieder bergauf. Und es wollte schon wieder nicht aufhören. Schon wieder baute sich die Straße wie eine Wand vor uns auf. Und so machten wir es wieder so wie am Ještĕd, eine abschließende gemeinsame Pause, danach die Handies an und dann ist jeder wieder auf sich alleine gestellt.
Nachdem ich einige wenige Meter gefahren war, setzen schon bald wieder die gleichen Symptome wie am Aufstieg zum Ještĕd ein. Und schon bald konte ich auch Graffi nicht mehr folgen und musste mein eigenes Tempo gehen. Im Gegensatz zum Ještĕd war dieser Anstieg aber noch brutaler: nicht das er eine höhere Steigung hätte. Viel schlimmer war, dass man die Strecke sehr weit einsehen konnte: keine Kurve in die man seine Hoffnung auf ein baldiges Ende legen könnte. Es war ganz klar, dass man immer noch sehr viel zu kämpfen hatte. Je höher ich kam, desto schwieriger fiel mir das Fahrradfahren. Ich rutschte ein paarmal aus dem tritt raus, musste neu ansetzen, musste mich zwingen wieder weiter zu fahren. Wieder ging der Blick nach unten. Wieder fühlten sich die Oberschenkel so an, als würden sie jeden Moment zerbersten. Wieder tat jeder Atemzug weh, an die so notwendige Flüssigkeitsaufnahme war gar nicht zu denken. Und irgendwann kam der Punkt, an dem meine Willenskraft nicht mehr ausreichte, um mich noch weiter zu bewegen. Ich fuhr in eine Parkbucht und stieg vom Rad ab. Pause. Vielleicht ist mein in solchen Sachen übermächtiges Ego wirklich nicht gesund, aber eigentlich hatte ich mir schon vorgenommen, diesen Anstieg in einem durch zu fahren. Nach vielleicht fünf Minuten setzte ich mich wieder aufs Rad und fuhr weiter. Und irgendwann war ich endlich oben.

Es dauerte einige Zeit bis es letztendlich alle von uns geschafft hatten, aber nachdem wir alle oben waren, gönnten wir uns zum ersten Mal in diesem Urlaub ein Mittag in einer Gaststätte. Nachdem wir nun alle wieder ein wenig Kräfte geholt hatten, konnten wir uns wieder weitermachen. Und was mit mir und einem weiteren Mitstreiter auf dem folgenden Streckenabschnitt passierte, kann ich sehr schlecht erklären. Wie aus heiterem Himmel waren bei uns beiden anscheinend wieder alle Kräfte vorhanden und wir fuhren ohne größere Mühe die nächsten 10 Kilometer immer um die 30 - 35 Km/h. Normalerweise sonst kein Ding, aber nachdem man einen rund 930 Meter hohen Berg bezwungen hat, sieht die Sache dann doch wieder ein wenig anders aus.
Eigentlich wollten wir den Zeltplatz in Rokytnice nehmen, aber wir entschieden uns dann kurzerhand, erst den nächsten Zeltplatz zu nehmen, der in etwa 6 Kilometer kommen sollte. Dummerweise gabs diesen Zeltplatz aber nur auf der Landkarte, die Realität sah ein wenig anders aus. Also entschlossen wir uns spontan noch weiter zum Campingplatz nach Vrchlabí zu fahren.
Und irgendwann auf dem Weg erwischte es den ersten von uns, bei dem der Akku komplett runter war. Ausgerechnet Graffi, dem sportlichsten von uns allen ging auf einmal komplett die Puste aus. Und so wurden auch die wieder vermehrt aufkommenden Anstiege (wir konnten zum Glück eine lange Zeit neben einem Fluss entlang fahren) für ihn zu einer echten Herausforderung. Wir waren inzwischen so fertig, dass wir fast an jeder Bergkuppe Pause machten. Aber dann endlich, gegen 19.30 Uhr erreichten wir endlich den Zeltplatz.
Ich weiss gar nicht mehr genau, was wir dort noch alles gemacht haben, in meinem Tourbuch steht aber nur noch ein dich unterstrichendes mit mehreren Ausrufezeichen verziertes "kaputt". Schätze, damit meinte ich meine körperliche Verfassung.

cya
MWi

Bilder:
Bild1: der Ještĕd von unserem Campingplatz aus
Bild2: ich kämpfe mich gerade die letzten Meter eines Anstieges hinauf
Bild3: auf dem Campingplatz von Vrchlabí

Tags: Liberec, Vrchlabi | Kategorie:
bisherige Etappen:
Etappe 4
Etappe 3
Etappe 2
Etappe 1

Doksý - Liberec | 71,1Km | 21,7Km/h Schnitt | 3,18std | 65,5Km/h Spitze

...Vier junge Burschen, die sich mit minimalstem Gepäck (...) auf die Reise machten, um zwei sportliche und nichts desto trotz glückliche Wochen zu verbringen...
Als wir aufwachten merkten wir noch den gestrigen Tag in unseren Beinen. Vielleicht kamen wir auch deshalb erst gegen 12 Uhr los. Zuerst fuhren wir von Doksý nach Nordosten in Richtung Mimoň. Es war vielleicht nicht der spannenste Weg, da die Straße fast immer nur durch einen Wald führte, andererseits war es schon interessant, dass uns auf der dritten großen Etappe erneut ein ganz anderes Landschaftsbild erwartete. Kurz vor Mimoň sahen wir ihn dann zum ersten mal: den Ještĕd. Und ganz ehrlich, auch wenn wir noch weit von diesem Berg entfernt waren, wenn so ein 1012 Meter hoher Berg mitten in der Landschaft steht macht das schon Eindruck. Und blauäugig wie ich war, erklärte ich den anderen noch, dass wir um den Ještĕd herum fahren würden. Aber wir steuerten direkt darauf zu. Und nach Mimoň wurden dann auch die Hügel schon ein wenig höher und anstrengender. Und auf einmal befanden wir uns, nachdem wir fast 45 Kilometer schon hinter uns hatten, auf dem zweitlängsten Anstieg unserer Tour.

Nach zwei Kilometern, an denen es nur bergauf ging, machten wir noch einmal gemeinsam eine längere Pause an einer Bushaltestelle. Spätestens an diesem Punkt war uns klar, dass es jetzt für längere Zeit nur noch hoch gehen würde. Also schalteten wir alle unsere Handies an und einigten uns darauf, dass jeder ab jetzt sein eigenes Tempo fährt. Ich füllte nochmal meine Trinkflasche auf und los gings.
Im Nachhinein zu beschreiben wie sich so ein Anstieg anfüllt ist sehr schwer. Am Anfang war bei mir noch alles OK. Klar, die Oberschenkel machten sich sofort bemerkbar, aber noch hatte ich genügend Kraft, um mir auch die Landschaft anzusehen. Und je höher ich kam, desto besser wurde der Ausblick. Später hatte ich weder die Kraft dazu, noch war es irgendwie möglich, da die Straße mitten in einem Wald serpentim bergauf führte. Aber immer mehr musste ich um jeden Meter kämpfen. Irgendwann war ich an einem Punkt, an dem jede Pedalumdrehung nur noch wehtat. Man blickt nur noch nach unten, kann die Strecke nicht weiter als 5 Meter einsehen. Man kann nichts mehr trinken, weil die Kehle schmerzt. Man versucht immer mehr Luft einzuatmen, stattdessen wird die Atmung flacher und schneller. Man kann einfach an nichts anderes mehr als an den nächsten, zu bewältigenden Meter denken. Und mit jeder Kurve die man sieht, kommt die Hoffnung, dass der Anstieg aufhören möge. Nur noch die Kurve, diese einzige Kurve, dann ist alles vorbei. Und mitten in der Kurve dann sieht man schon die nächste. Am liebsten wollte ich sofort vom Rad absteigen und einfach nur nichts mehr tun. Andererseits war dieser Ehrgeiz in mir, diesen (blöden) Berg zu bezwingen, diesen Berg der zwischen mir und meinem Ziel stand. Ich war schon öfters an dem Punkt, dass ich glaubte, eine große Steigung gemeistert zu haben. Aber diese Erfahrung war komplett neu für mich.
Und endlich irgendwann war die Stelle da, an dem es keinen Zentimeter mehr höher ging. Plötzlich waren nur noch Glück und Erschöpfung da.

Wir wurden mit dem Blick zum Fernsehturm von Liberec belohnt. Vielleicht noch drei oder vier Kilometer und wir wären da gewesen, aber letztendlich reichte die Zeit nicht mehr, um auch noch dahin einen Abstecher zu machen. Aber trotz der bisherigen mühsamen Strecke, die letzten 200 Höhenmeter wollte und hätte ich wohl auch noch bezwungen.
Als alle oben waren machten wir noch eine größere Pause bevor wir uns auf den Weg nach unten, nach Liberec machten. Es ist schon beeindruckend, wenn man knapp 5 Kilometer innerhalb von 7 Minuten auf dem Rad zurücklegt. Liberec selbst war ein Kulturschock. Waren wir bisher durch kleine Orte gefahren, so gab es in Liberec, die uns aus Berlin so wohlbekannte, Hektik und Unsortiertheit, mit dem einzigen Unterschied, dass wir uns in Liberec nicht auskannten. Und mitten in dieser Stadt wollten wir einen Campingplatz finden. Aber auch das meisterten wir (auch wenn das dem ein oder anderen von uns ein wenig die Nerven kostete ). Am Abend waren wir dann alle total erschöpft. Einer meiner Mitstreiter meinte, dass es ihm zwar gut gehe, dass er aber keine Anstiege mehr fahren könnte. Sorgenvoll dachte ich an die noch anstehenden Etappen und ob wir es wirklich bis zur Schneekoppe schaffen würden. Es war der Punkt, an dem ich ernsthaft daran zweifelte, andererseits wollte ich natürlich nicht, dass sich auch nur einer von uns nur noch quält, immerhin machten wir Urlaub. Ich denke, genau an dem Punkt war ich zu jedem Kompromiss bereit.

Bilder:
Bild1: Pause in Mimoň
Bild2: Ještĕd aus der Ferne
Bild3: Fernsehturm von Liberec

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bisherige Etappen:
Etappe 3
Etappe 2
Etappe 1

Es wird mal wieder Zeit, ein wenig über meinen Urlaub zu plaudern. Und darum:

Bad Schandau - Doksy | 86,41Km | 20,93Km/h Schnitt |4,07std | 65,4Km/h max

...Vier junge Burschen, die sich mit minimalstem Gepäck (...) auf die Reise machten, um zwei sportliche und nichts desto trotz glückliche Wochen zu verbringen...
Wir machten uns schon um 11 Uhr vom Campingplatz (so früh sollte es nie wieder werden...), Richtung Bad Schandau (unser Campingplatz lag ein wenig überhalb von Bad Schandau). Der erste Schock folgte dann auch schon am Ortseingang: wir fuhren nämlich dicht hintereinander, ich in dritter Position, als meine Vorderleute ohne Vorankündigung auf den Gehweg rüberschwenkten und ich mich quasi direkt vor einem uns entgegenkommenden Auto befand. OK, einmal kurz in die Bremse gegriffen und rübergeschwenkt, dass wars. Graffi der hinter mir fuhr meinte trotzdem, dass die ganze Geschichte wohl ziemlich eng aussah...
Wie schon zwei Tage zuvor fuhren wir wieder den Elbradwanderweg in Richtung Tschechische Grenze und der erste Ort, der uns dort erwartete, war Hřensko.

Und dort erwartete uns die erste schwere Prüfung. Unser Plan war nämlich, Dĕčin links liegen zu lassen und statt dessen gleich in Richtung Česka Lipa zu fahren. Und das hieß nichts anderes, als das wir es zum ersten mal in diesem Urlaub mit einem richtigen Anstieg zu tun hatten, der mit Teilstückem mit über 10% Steigung aufwartete. Das schlimmste aber war, dass dieser Anstieg ohne Warnung kam: einmal rechts abgebogen und die Straße baute sich auf einmal wie eine Wand auf. Das größte Problem war, dass wir auf diesen Anstieg nicht vorbereitet waren. In Berlin gibt es sowas einfach mal nicht. Und so erklären sich dann auch die drei Pausen, die wir auf diesen knapp 4 Kilometern eingelegt hatten. Andererseits wurden wir von der Radstrecke in Form von schöner Landschaft und ansonsten kaum befahrenen Straßen entlohnt. Man muss sich das Ganze in etwa so vorstellen: ab und zu mal einige Baumgruppen, und immer wieder Spitz zulaufende einzelnde grasbewachsene Hügel. Für uns bedeuteten die Hügel natürlich immer wieder Anstiege und Abfahrten, aber wir gewöhnten uns schon auf dieser Etappe ziemlich schnell daran.

Aber auch an diesem Tag hatte einer meiner Mitstreiter einen Defekt am Rad. Und wieder war es nichts normales (wir hatten vor allem mit kaputten Schläuche gerechnet, aber von denen hatten wir keinen einzigen), sondern ein gerissener Bautenzug. Und so mussten wir nachdem wir in Česka Lipa angekommen waren zuerst einmal den Defekten gegen einen dort neugekauften wechseln. Von Česka Lipa aus waren es dann auch nur noch wenige Kilometer bis zu unserem nächsten Campingplatz (ca. 18 Kilometer). Das einzige was dabei halt störte war der Fakt, dass wir diese Passage auf einer Schnellstraße zurücklegen mussten. Und der einzige Punkt der etwas mehr Spaß machte war eine Senke, in der die Straße eine S-Kurve beschrieb. Sprich: Bergrunter gab's eine Linkskurve und in der Senke dann eben eine Rechtskurve. Für mich eine nicht ganz ungefährliche Situation, da mein Gepäckträger, an dem rund 20Kg Gepäck dranhingen etwas mehr Spiel hatte als günstig gewesen wäre. Und daraus resultierte dann, dass mein Rad bei hohen Geschwindigkeiten anfing unkontrollierbar zu schlingern. Die Situation hatte ich einige Male in dem Urlaub, wo ich dann lieber doch in die Bremse griff.
In Doksy selbst genossen wir den Sonnenuntergang am See (Graffi legte sich zwischenzeitlich noch mit drei Schwänen an...) und machten uns dann doch relativ zeitig ins Bett, da für den nächsten Tag gleich die nächste Etappe geplant war.

cya
MWi

Bilder:
Bild1: Gruppenfoto in Hřensko
Bild2: Aussicht überhalb Hřenskos.
Bild3: Machasee (in Doksy) am Abend

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bisherige Etappen:
Etappe 2
Etappe 1

...Vier junge Burschen, die sich mit minimalstem Gepäck (...) auf die Reise machten, um zwei sportliche und nichts desto trotz glückliche Wochen zu verbringen... Der dritte Tag stand im Zeichen der Reperaturen. Es wurde geschraubt gehämmert und gebastelt . Graffi musste ja noch etwas gegen seine total heruntergekommenen Mäntel tun (sprich neue kaufen) genauso wie unser inzwischen dazugekommene vierte Mann. (Oupps, ich hätte vielleicht erwähnen sollen, dass wir die erste Tage nur zu dritt unterwegs waren...). Auch bei meinem dritten Mitstreiter stand das Fahrrad Zwecks diverser kleiner Optimierungen kurzzeitig kopfüber. Bei mir kam nur eine neue Trinkflasche inklusive Halterung ans Rad.

Ansonsten präsentierte sich uns das Elbsandsteingebirge eher von der nassen Seite. Also Ideal, um sich wenigstens die Schrammsteine anzuschauen. Praktischer Weise war da so ganz spontan ein Wanderweg dahin, der quasi von unserem Zeltplatz aus direkt dorthin losging. Die Wanderung selbst war in etwa 10Km lang und bot doch recht viele Möglichkeiten, um meine Mitbestreiter zu beschäftigen. Auf gut Deutsch, es wurde bestiegen, was zu besteigen war (Felsen und Felsvorsprünge natürlich. Appetitanreger der anderen Art gab's dann vor allem in Tschechien )

Der Weg auf die Schrammsteine war dann vor allem durch sehr viele Leitern, die erklimmt werden wollten, geprägt. Und als wir oben waren bot sich uns eine sehr schöne Sicht auf die Umgebung ("Mensch, schöne Jegend habt Ihr hier. - Jupp, and're Seite och!"). Anyway, auf der einen Seite halt die Festung Königstein, auf der anderen Seite Tschechien wohin sich die Regenfront verzog. Für den Rückweg ließen wir uns etwas mehr Zeit und nahmen statt den direkten Rückweg einen kleinen Umweg, einfach um die Schrammsteine noch ein wenig mehr aufzunehmen. Zurück beim Campingplatz wurde wie am Abend zuvor schon die Gaslampe und der Gaskocher ausgepackt und das Dosenessen genossen. Man wollte ja gut gestärkt in den nächsten morgen gehen, wo uns eine der längsten Touren erwarten sollte. Aber darüber morgen mehr.

cya
MWi

Bilder:
Bild1: ich repariere irgenwas
Bild2: Felsvorsprung - gefunden auf dem Weg zu den Schrammsteinen
Bild3: Ausblick von den Schrammsteinen

Tags: Schrammsteine | Kategorie:
Dresden - Bad Schandau | 76,95km | 18,83km/h Schnitt | 3,52Std. | 47,6km/h max

Etappe1

...Vier junge Burschen, die sich mit minimalstem Gepäck (...) auf die Reise machten, um zwei sportliche und nichts desto trotz glückliche Wochen zu verbringen...
Der nächste Morgen. Vielleicht hatten wir's ja doch ein wenig übertrieben. Meine eingestaubte Lunge meldete mir mit eindeutigen Signalen, dass es doch nicht clever war, fast eine komplette Zigarettenschachtel am Abend zu rauchen (das ich dabei meinem Wg Mitbewohner auch eine gegeben hatte, konnte ebenfalls nicht als Ausrede herhalten). Einer meiner Mitstreiter hatte dafür anscheinend gemerkt, dass er am abend davor, vielleicht bei seinem Bierkonsum ein wenig zurückhaltender hätte sein sollen. Zumindest sprechen die Bilder vom nächsten morgen eine eindeutige Sprache.
Aber schließlich und mit leichtem Druck auf den pfeifenden Ohren (sorry, der Insider musste sein. kleiner Tipp: es gibt nur ein Teil am Fahrrad, dass ein klingeln im Ohr hinterlassen könnte ) machten wir uns endlich aus Dresden...naja, fast...
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Tags: Dresden, Bastei, Festung Königsstein | Kategorie:
Berlin - Dresden | ~5km

Nun bin ich also wieder da. Rund 630km auf dem Rad liegen hinter mir, einmal quer durch Tschechien. Ziel war es ja, von Dresden aus zur Schneekoppe und zurück zu fahren. Und um es vorne weg zu nehmen: wir haben es geschafft. Vier junge Burschen, die sich mit minimalstem Gepäck (Anmerkung: wie wir nur allzu schnell feststellen sollten, trotzdem noch zuviel) auf die Reise machten, um zwei sportliche und nichts desto trotz glückliche Wochen zu verbringen
. Hier möchte ich also nun ein wenig davon plaudern, wie es uns so die letzten 15 Tage ergangen ist.

Der erste Tag sollte noch ein wenig stressfrei verlaufen. Geplant war, mit dem Zug nach Dresden zu fahren, dort ein wenig die Stadt zu besichtigen, in einer Jugendherberge zu übernachten und am nächsten Morgen dann Richtung Bad Schandau loszufahren. Und so haben wir es dann auch einfach gemacht. Morgens um 8, bevor wir losfahren wollten, hab ich noch schnell drei Schlafplätze in einer sehr schönen Jugendherberge inmitten Dresden Neustadt organisiert, und dann konnte es auch schon quasi losgehen.

Gegen Mittag waren wir dann auch endlich in Dresden. Es erwartete uns etwas feuchteres Wetter, aber damit waren wenigsten noch definitiv Verbesserungen diesbezüglich zu erwarten. Zur Stadtbesichtigung selber muss man sagen, dass mein Wg Mitbewohner in Brandenburg, spontaner Weise Dresdener ist. Und so traf man sich halt und hatte nen schönen Nachmittag zusammen, in dem uns im Schnelldurchlauf die wichtigsten Stationen Dresdens gezeigt wurden.
Am Abend genossen wir dann das Nachtleben in Neustadt, wobei ich kurzeitig noch einen weiteren Kommilitonen traf (an dieser Stelle: schöne Grüße nach Finnland) und ansonsten doch relativ früh ins Bett ging, um fit für die ersten Etappe zu sein.

Tja, dass war dann auch schon der erste Tag, morgen gehts dann weiter mit der Tour nach Bad Schandau. So far:

cya
MWi

Bilder:
Bild1: unsere Räder im Zug
Bild2: vor unserer Jugendherberge
Bild3: historischer Kern Dresdens mit der Frauenkirche

Tags: Urlaub, Dresden | Kategorie:

300

0 Kommentare
welcher beitrag würde sich denn besser anbieten als der insgesamt 300., sich in den urlaub zu verabschieden?
keiner? ok! dann also: für mich gehts dann für 2 wochen nach tschechien. urlaubsvertretung hab ich leider keine mehr organisiert bekommen und so geht's halt hier in etwas mehr als 15 tagen weiter.

cya
mwi

Tags: | Kategorie:
schneekoppe
da geht's in knapp 2 wochen mit dem fahrrad rauf. team telekom, ihr könnt einpacken (ach nee, habt ihr ja schon )

cya
mwi

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bild: geschützt durch (cc) | rechteinhaber: lipeamie | gefunden auf flickr.com
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